„Minijobs“ auf dem Vormarsch

Anteil in Kleinbetrieben am höchsten

Besonders in Kleinbetrieben verdrängen Minijobs nach Daten des Deutschen Gewerkschaftsbundes sozialversicherte Beschäftigungsverhältnisse. So waren Ende Juni 2021 in Köln in kleinen Betrieben mit unter 10 Beschäftigten 39,5 Prozent der Beschäftigungsverhältnisse Minijobs. In Bonn waren es 41,4 Prozent, in Leverkusen 45 Prozent, im Rhein-Erft-Kreis 43,5 Prozent, im Rheinisch-Bergischen-Kreis 45,4 Prozent und im Rhein-Sieg-Kreis 45,6 Prozent. Die Minijob-Quote in Kleinbetrieben ist damit mehr als doppelt so hoch, wie der Durchschnitt über alle Betriebsgrößen. Das geht aus einer Sonderauswertung der Bundesagentur für Arbeit für den Deutschen Gewerkschaftsbund hervor.

„Die Daten zeigen: Minijobs – also Jobs mit einer Lohnobergrenze von 450,- Euro monatlich – haben sich in Kleinbetrieben fast zu einer Art von Normalarbeitsverhältnis entwickelt. Sie sind damit kein Sprungbrett in reguläre Arbeitsverhältnisse. Beschäftigte im Handel, in der Gastronomie, im Reinigungs- und Dienstleistungsgewerbe sind dabei besonders von diesem für Arbeitgeber kostensparenden Arbeitsmodell betroffen“, sagt Jörg Mährle, Geschäftsführer der DGB-Region Köln-Bonn.

DGB sieht hohe soziale Folgekosten: „Geringfügig Beschäftigten im erwerbsfähigen Alter fehlt weitgehend der Schutz der Sozialversicherung. Sie haben keinen Anspruch auf Krankengeld, Kurzarbeitergeld und Arbeitslosengeld. Entscheiden sie sich gegen die im Minijob optionale Rentenversicherungspflicht, wirkt sich das nachteilig auf Rentenansprüche und andere Leistungen der Rentenversicherung aus. Minijobs sind damit ein sicheres Ticket in die Altersarmut“, mahnt Jörg Mährle.

„Die Pandemie hat die Folgen eindrücklich aufgezeigt. 2020 haben hunderttausende Menschen in Deutschland innerhalb kürzester Zeit ihren Minijob verloren – ohne Anspruch auf Kurzarbeitergeld oder Arbeitslosengeld. Trotzdem will die neue Bundesregierung Minijobs sogar noch ausweiten. Das ist absolut nicht nachvollziehbar“, kritisiert Mährle. „Denn jede Beschäftigung braucht den Schutz der Sozialversicherung.“

Die Anhebung der Geringfügigkeitsgrenze lehnt der DGB ab. Sie würde geringfügige Beschäftigung ausweiten, sodass noch mehr Menschen ohne umfassenden Sozialversicherungsschutz arbeiten als bislang.

Die Kernpunkte des Tarifabschlusses

Neuigkeiten aus Euskirchen
Neuigkeiten aus Euskirchen
  • Corona-Sonderzahlung in Höhe von 1.300 Euro bis März 2022, steuer- und sozialabgabenfrei
  • 2,8 Prozent mehr Gehalt ab dem 1. Dezember 2022
  • Gesprächszusage über Beschäftigungsbedingungen für studentische Hilfskräfte
  • Höhere Zulagen für während der Corona-Pandemie besonders belastete Beschäftigtengruppen im Gesundheitsbereich 
  • Vertragslaufzeit: 24 Monate

Der Tarifabschluss 2021 gilt für rund 1,2 Millionen Angestellte im öffentlichen Dienst der Länder. Die Gewerkschaften verlangen, dass das Tarifergebnis zeit- und wirkungsgleich auf die Bezüge der rund 1,3 Millionen Beamtinnen und Beamten sowie die rund eine Million Versorgungsempfängerinnen und -empfänger übertragen wird.

Persönliche Bewertung (Gra): Da der Tarifabschluss für 2 Jahre gilt, entsprechen die 2,8% Gehaltserhöhung einer Steigerung von 1,4% pro Jahr. Absehbar wird die Inflation alleine in diesem Jahr bei über 4% liegen. Der Tarifabschluss bedeutet also eine Reallohnsenkung. Allerdings war die Einsatzbereitschaft im Tarifkampf auch relativ gering bei den KollegInnen.